Mittelalterliche Türme

 

Geschlechtertürme aus dem 11.-12. Jh. zahlen zu den mittelalterlichen Monumenten in Florenz: Einige von ihnen sind auch in Oltrarno zu sehen.

Geschichte - Bilder

 Geschichte


Italienische Städte des Mittelalters waren von den ragenden Geschlechtertürmen geprägt, und Florenz stellte keine Ausnahme. Reiche und mächtige Patrizierfamilien hatten Türme bauen lassen, welche nicht nur als (eher unbequemes...) Wohnhaus und Festung während Streitigkeiten mit feindlichen Geschlechtern dienen sollten, sondern auch Macht und Reichtum des Besitzers verdeutlichen mußten - darum versuchte man immer, höhere und höhere Türme zu bauen, welche manchmal während der Bauarbeiten einstürzten.
In der Altstadt von Florenz kann man noch heute zahlreiche Türme finden, welche Bürgerkriege, Blitzschläge, Stadtsanierungen und gesellschaftliche Veränderungen überstanden haben (seit dem 14. Jahrhundert wurde nämlich der Palast als Symbol von Macht und Reichtum gesehen und die Türme verloren ihr Gewicht).
Kein Turm in Florenz hat aber seine ursprüngliche Form bewahrt: Als im 13. Jahrhundert die Florentinische Republik gegründet wurde, beschloß die Stadtregierung, alle Geschlechtertürme zu kappen. Das sollte klar zeigen, daß die adligen Familien ihre Macht verloren hatten und die Zeit der Bürgerkriege endgültig zur Ende gekommen war: Der florentiner Historiker Giovanni Villani (1280-1348) schrieb in seiner Nuova Cronica ("Neunen Chronik"), daß im Jahre 1251 «alle Türme in Florenz - und es waren viele, die über 70 Meter hoch waren - gekappt wurden, damit sie nicht höher als 29 Meter waren; so wurde getan; und mit den vielen Steinen aus den gekappten Türmen baute man Häuser auf der anderen Seite des Arno».

«Auf der anderen Seite des Arno» - das heißt in Oltrarno - gab es zahlreiche Türme: Viele von ihnen wurden nicht nur 1251 gekappt sondern in folgender Zeit in Palästen und anderen Gebäuden eingegliedert, sodaß nur wenige als Türme noch erkennbar sind.

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 Bilder

 Turm der Barbadori


(Borgo San Jacopo, Hausnummer 54) Dieser Turm wurde im 12. Jahrhundert von der wichtigen kaufmännischen Familie der Barbadori errichtet, welche eine Kapelle in der nahen Kirche von Santa Felicita besaß.
Der Turm zählt zu den höchsten in Florenz. Über der heutigen Eingangstür kann man ein "Fenster" mit Spitzbogen sehen: Möglicherweise handelt es sich um den ursprünglichen Eingang, der mit Holzleitern zu erreichen war, die im Belagerungsfall nach oben gezogen werden konnten.

 Turm der Belfredelli


(Borgo San Jacopo, Nr. 9) Ein sehr gut erhaltener Turm, welcher vom kleinen Garten auf der Seite zu Borgo San Jacopo charakterisiert ist. Er wurde im 12. Jahrhundert von der Familie Belfredelli gebaut, die damals andere Gebäude in der Nähe besaß. Der letzte Stock wurde in späterer Zeit hinzugefügt.
An der hinteren Seite des Turmes steht ein anderer, noch höher Turm (Turm der Ramaglianti): Die beiden Gebäude sind durch einen hauchdünnen Zwischenraum getrennt.

 Turm der Marsili


(Borgo San Jacopo, Nr. 17) Die Marsili waren eine der ältesten Familien von Florenz und errichteten diesen Turm im 12. Jahrhundert.
Im 19. Jahrhundert ließ ihn sein damaliger Besitzer (der Goldschmied Giuseppe Sorbi) mit glasierten Terracotta-Figuren in della Robbia Stil schmücken: die Verkündigung, zwei Engel und das Christkind, welche noch heute die Fassade des Turmes charakterisieren.

 Turm der Mannelli


(Via dei Bardi, Nr. 84) An den Ecken der Alten Brücke standen ursprünglich vier Türme, von denen nur dieser erhalten geblieben ist.
Er wurde im 12. Jahrhundert von der mächtigen Familie der Mannelli gebaut, deren Ansehen noch im Jahre 1565 so groß war, daß sogar Großherzog Cosimo I de' Medici beschloß, den Vasari-Korridor um dem alten Turm laufen zu lassen, anstatt ihn abzureißen.

 Turm der Bardi


(Via dei Bardi, Nr. 44) Zwischen 12. und 14. Jahrhundert zählten die Bardi zu den reichsten Bankiern und Kaufmännern von Florenz und besassen in dieser nach ihnen getaufte Straße zahlreiche Gebäude, einen Palast (Hausnummer 25, heute Palazzo Canigiani) und einen Turm.
Dieser Turm ist einer der vielen, welche in einem Palast eingegliedert worden sind: Von seiner ursprünglichen Struktur sind nur Teile des Bogens über der Eingangstür erhalten geblieben.

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