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 Architektur und Goldschmiedekunst

Wir befinden uns in Via Sant'Agostino, in der Werkstatt des Goldschmiedes Ugo Bellini: Eine sehr kleine Werkstatt, auf deren Werkbank Werkzeuge und Teile von Juwelen gestreut sind. Im Schaufenster sind die letzten Kreationen sowie das Symbol des Bundes LeBottegheDiSantoSpirito ("Die Geschäfte von Santo Spirito") ausgestellt. Ugo arbeitet jetzt an einem Goldring...

Wie sind Sie Goldschmied geworden?
Ich studierte Architektur und interessierte mich für Formen und Materialien jeglicher Art ... Ich begann, auch Juwele aus diesem Sichtpunkt zu betrachten und meine Interesse für sie wurde immer größer. Kurz gesagt: Eines Tages beschloß ich, die Universtät zu verlassen und als Lehrling bei einem Goldschmied zu arbeiten. In jenem Werkstatt bin ich Goldschmied geworden. Am Anfang war es wirklich schwierig! Es gab immer so viele neue Sachen zu lernen - und es war sehr leicht, etwas falsch zu machen ... Aber diese Kunst gefiel mir so viel, daß ich nach drei Jahren Lehrzeit meine eigene Werkstatt eröffnen konnte.

Was gefällt Ihnen vor allem in dieser Kunst? Welche Juwele schaffen Sie lieber?
Goldschmiedekunst ist so reich an Techniken und Arbeitsverfahren: Das gefällt mir vor allem. Es ist möglich, wirklich alles zu schaffen. Es gibt so viele Techniken ... Einige sind leichter, andere sind dagegen sehr komplex, wie zum Beispiel der Florentinische Stil: Man muß die Goldplatten biegen, dann die Schmuckmuster auf die Platte einritzen und mit einer speziellen Säge das Metall Stück nach Stück entfernen. Man braucht viel Zeit und unendliche Aufmerksamkeit - aber was für eine Freude, wenn das Juwel fertig ist!
Welche Juwelen ich vor allem liebe? Ringe und Ohrringe; auch Armbänder.

Im Schaufenster sind auch einige emaillierte Medaillons.
Diese Medaillons sind auch sehr schön...

Ja ... Die Idee, auch Medaillons anzubieten hatte ich vor kurzer Zeit. Ein Freund von mir, Francesco de Masi, ist Fotograf. Er zeigte mir einige Fotos, die er hier in Florenz gemacht hatte: Die Alte Brücke, die Domkuppel ... Sie waren wirklich wunderbar - schön wie Gemälde oder Miniaturen. Ich dachte: «Es wäre großartig, Medaillons mit diesen Ansichten zu machen - ja: emaillierte Medaillons!» Es handelt sich um eine uralte Technik: Auf einer Goldplatte werden mit Metalloxidfarbe Bilder aufgemalt; dann wird die Goldplatte in einem Spezialofen gebrannt ... Und das Ergebnis sind diese hellen, ja lebendigen Farben!

Eine ganz besondere Verarbeitung
Ja. Alle Medaillons sind Einzelstücke. Sie sind völlig handgemacht: Gravierungen, Bemalung ... Es wäre unmöglich, eine exakte Reproduktion herzustellen.

Warum sind Sie Mitglied des Bundes LeBottegheDiSantoSpirito geworden?
In diesem Bund sind Geschäftsinhaber und Handwerker von und um Piazza Santo Spirito versammelt. Wir wollen, den Platz und den ganzen Viertel noch lebendiger machen. In den kommenden Monaten werden wir Feste und andere Ereignisse in der Piazza veranstalten, und alle sind herzlich eingeladen: Einwohner, Touristen, Geschäftsinhaber, Erwachsene und Kinder ... Hier in Santo Spirito ist noch heute eine traditionelle Lebensweise zu spüren, welche in anderen Stadtteilen verlorengegangen ist: Wir wollen sie bewahren und nicht nur hier arbeiten, sondern auch leben!

Ihr Rat den Jugendlichen, welche Goldschmied werden möchten?
Eine gute Schule für Goldschmiedekunst zu besuchen ist das erste Schritt: Man braucht vor allem, Grundtechniken und Kultur des Juwels zu lernen ... Und man braucht, viel Geduld zu haben! Diese Kunst kann man nur langsam lernen und erst nach langer Zeit beherrschen. Man muß auch von den eigenen Fehlern lernen - die sind auch gute Ratgeber ... obwohl man sie lieber vermeiden möchte, das weiß ich gut ... Nur so findet man seinen eigenen Weg.

Was sehen Sie in der Zukunft der Goldschmiedekunst in Florenz?
Ein Freund von mir ist auch Goldschmied. Seit langer Zeit lebt er in Amerika. Nach zwölf Jahren ist er jetzt nach Florenz gekommen, und es wunderte ihn, auch hier die selben Juwelsorten zu finden, die er in New York oder Los Angeles sieht. Aus einer Seite gibt es hier eine Neigung zur "Globalisierung", zur Herstellung von Juwelen, welche der Mode des Moments folgen; aus der anderen Seite gibt es aber noch sehr viele Werkstätte (auch Einzelhandwerker, wie ich!), welche die Tradition des handgemachten Juwels weiterführen. Ich denke, diese Tendenzen werden auch in der Zukunft die Goldschmiedekunst von Florenz prägen.

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